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World AIDS Awareness Expedition
Ball untertützt die World AIDS Awareness Expedition
17.06.2011 Heinrich Geuther Von Kolumbien nach Argentinien – Schwindelanfälle im Reich des Kondors
Drei Schritte nach links. Pause. Vier Schritte nach rechts. Pause. Es ist mühsam, im schwarzen Gestrüpp vorwärts zu kommen. Dann ein feuchter Hügel, der die Chance bietet, dem Dickicht zu entkommen. Träge erfolgt der erste Schritt aufwärts. Stille. Der zweite Schritt hinauf. Der dritte. Plötzlich fliegt ein riesiger dunkler Schatten heran. Mit letzter Kraftanstrengung schafft sie es, der Hand zu entgehen – sie hebt ab, das Brummen durchbricht die Stille. Dann landet sie einen Meter entfernt an der weißen Wand - die Fliege.
Die Sonne brennt gnadenlos in den Innenhof der „Villa Michelle“. Die Hitze Cartagenas lähmt alles. Auch die Fliege erstarrt. Wieder kehrt Stille ein. Nur der altertümlichen Wanduhr scheint die Hitze nichts auszumachen. Ihr monotones Ticken schmerzt in den Ohren der Expeditionsteilnehmer. So geht das nun schon zwei lange Tage. Zwei Tage, in denen die Expedition schon lange unterwegs durch den Dschungel Kolumbiens sein wollte. Aber die kolumbianischen Zollbehörden haben diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit zwei Tagen bricht ein Teil des Teams in den frühen Morgenstunden Richtung Hafen Cartagenas auf und versucht, die Abfertigung der Container mit den Fahrzeugen zu beschleunigen. Augen für die schönste Kolonialstadt Südamerikas haben sie kaum Augen.

Vorbei an der alten Kathedrale erreichen sie den geschäftigen Hafen mit dem mächtigen Schutzwall und insgesamt 29 Forts. Damals wie heute ist der Hafen begehrt. Vor 300 Jahren waren es die Freibeuter und Piraten, die durch die riesigen gelagerten Schätze und die stetig ankommenden und abfahrenden Schiffe angezogen wurden. Heute ist Cartagena einer der größten Containerumschlaghäfen Südamerikas. Jeden Tag werden 5000 dieser Container abgefertigt. Und in 5 dieser Container sind die Amaroks. Aber in welchen und wann sind die endlich dran? Tag 3 des Wartens beginnt...

Wieder der Weg zum Hafen. Noch am Abend zuvor hatte der nette Zollbeamte versprochen: Morgen früh bekommt ihr eure Amaroks, morgen früh geht es schnell!

Schnell? Die Wahrheit sieht anders aus. 25 Unterschriften und 4 Fingerabdrücke pro Fahrzeug, macht nach Adam Riese 125 und 20, außerdem 7 Wartezimmer, 14 Stunden und dann geschieht das Wunder: die Amaroks verlassen tatsächlich das Hafengelände!

Kolumbien - Hundert Jahre Einsamkeit – Ein Land erwacht!
Die Verzweiflung weicht einer wilden Entschlossenheit. Noch ist es möglich, den vereinbarten Round-Table-Termin in Medellin einzuhalten. Und jetzt geht es wirklich schnell: Sachen packen, voll tanken und auf die versprochene gut bewaffnete Polizei-Eskorte warten. Die ist abends pünktlich zur Stelle und auch notwendig. Seit Jahrzehnten wird Kolumbien durch den bewaffneten Konflikt zwischen linksgerichteten Guerillatruppen, rechtsgerichteten Paramilitärs und der regulären kolumbianischen Armee beherrscht. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind verwischt. - Ein Motorrad mit Blaulicht und zwei Mann vorneweg, eines hinterher. Es ist 22 Uhr, und wieder einmal beginnt der Wettlauf mit der Zeit: 13 Stunden verbleiben bis zur großen Pressekonferenz in Medellin. 13 Stunden für eine Fahrstrecke von knapp 700 Kilometer – das müsste zu schaffen sein.

Zügig geht die Fahrt durch den Regenwald. Die Straße ist gut. Doch plötzlich wird der Regenwald links und rechts der Straße immer wieder für Sekunden in ein geheimnisvolles Licht getaucht. Es ist noch immer schwül warm, um die 30 Grad, die Luft geschwängert mit Feuchtigkeit und den intensiven Gerüchen des Dschungels. Wenig später bricht es los, das tropische Gewitter. Es schüttet aus allen Rohren, die Fahrbahn wird wieder einmal zum Bach, Blätter und abgerissene Äste bedecken die Strecke, gelegentlich legt sich ein Baumstamm quer. Die schwer bewaffnete Motorrad-Eskorte wird durch eine schwer bewaffnete Auto-Eskorte abgelöst. Als die Expedition das erste Mal die Anden überquert hat sie eine Höhe von 2800 Metern erreicht und das Wetter klart auf.

Es ist früher Morgen. Staunend und fröstelnd schaut das Team hinunter auf die Hochebene von Medellin. Ganze 13 Grad zeigt das Thermometer an. Von hier windet sich die Straße in kühnen Schwüngen hinab in die 3,3 Millionen Metropole. Die winzigen Behausungen der Armenviertel fressen sich in das Grün der Steilhänge, während die City mit ihrer Mischung aus Historie und Moderne auch architektonisch weitgehend dem gängigen Muster einer jeden spanischen Großstadt entspricht.
Es klappt – eine Stunde vor dem vereinbarten Termin liefert die Eskorte die Expedition im Veranstaltungszentrum ab. Medienvertretern aus Print-, Funk- und Fernsehen sind bei der Pressekonferenz anwesend, darunter auch einer der beiden nationalen TV-Sender. Wenig später übernimmt wieder die Nationalpolizei das Kommando. Wie Hornissen schwirren die 4 Motorräder den Konvoi, zwingen Lkw ohne Wenn und Aber zur Seite, stoppen erbarmungslos den Gegenverkehr in engen Kurven, machen gnadenlos auch schon mal Kreuzungen dicht.

Wieder geht es hinauf durch die grünen Anden, hinauf auf den atemberaubenden Kamm: Rechts geht es steil bergab, links das Gleiche – da wird Autofahren fast wie Fliegen. Und wieder wechselt die Landschaft - Bananen- und Kaffeeplantagen bestimmen nun das Bild. Rätselhaft ist, wieso in jeder Ortschaft ein Großteil der Bevölkerung die Expedition bereits am Ortseingang begrüßt wie alte Bekannte. Das Rätsel klärt sich auf - im Fernsehen lief bereits ein Beitrag über die Expedition und die Menschen warteten nun.


Von Cali aus sind es nur noch 200 Kilometer bis zur Grenze nach Ekuador. Aber diese 200 Kilometer sind gefährlich – Das ganze Gebiet gilt als Hochburg der FARC-Guerilla und sollten nachts wegen der Überfall- und Entführungsgefahr eigentlich nicht befahren werden. Zunächst entscheiden die Nationalpolizisten auf „Go“, dann – 100 Kilometer vor der Grenze wird es auch ihnen zu brenzlig. Die Expedition wird gestoppt, die Dachzelte für wenige Stunden aufgebaut. Am nächsten Morgen beginnt eine Slalomfahrt, die schwindelig macht. Schwindelig durch die unzähligen Kurven, die zu umkurvenden Schlaglöcher und durch Erdrutsche verschütteten Straßenhälften, durch das Überholen der schweren Lkw und der gebrechlichen Busse. Schwindelig aber auch durch die wundervolle Natur. Die Straße zieht sich meist wie ein Band auf halber Höhe an mächtigen Bergrücken entlang und gibt grandiose Blicke frei. Auf tiefe Täler, die sich scheinbar endlos zwischen den Bergen winden. Auf rauschende Bäche, träge dahin gleitende Ströme und majestätische Wasserfälle. Auf hunderte grüne Gipfel, die wie Wellen in aufgewühlter See wogen bis zum Horizont.

Ekuador – Durch die einsame Welt der Indios
Am frühen Nachmittag ist die Grenze erreicht, gut zwei Stunden später rollt das Team hinüber nach Ekuador.

Ein wenig traurig sind die Expeditionsteilnehmer schon, denn hier ist wegen der morgigen Volksabstimmung über wichtige Verfassungsänderungen und dem damit einhergehenden Versammlungsverbot erst gar kein offizieller Termin anberaumt worden. Was umso bedauerlicher ist als die Deutsche Botschaft in Quito nicht nur einen großen Runden Tisch, sondern gleich einen ganzen Aktionstag mit Kindern vorbereitet hatte.
Mühsam quält sich die Expedition durch den dichten und stickigen Verkehr Quitos und überquert dabei den Äquator. Auf der Südhalbkugel begrüßt sie die berühmt-berüchtigte Allee der Vulkane. Der Cotopaxi, der Chimborazo und der Tungurahua sind nur einige davon. Letzterer spuckt Feuer zur Begrüßung. Wieder klettern die Fahrzeuge die steilen Flanken der Anden auf fast 4000 Meter empor, um sich auf der anderen Seite genauso steil wieder nach unten zu winden. Hier oben in den Bergen leben fast nur Indios. Die Nachkommen der einst so mächtigen Inka-Stämme sind völlig verarmt, ernähren sich von kargem Ackerbau und magerer Viehzucht in den Steilhängen ihrer geliebten Berge. In dem winzigen Indiodorf Palliatanga stoppt das Team, um per Satellitenanlage Daten zu versenden.

Eine Handvoll Kinder schauen neugierig zu und bekommen ein paar der aufblasbaren Erdkugel-Wasserbälle. Und dann dauert es keine zwei Minuten, ehe das ganze Dorf zu Leben erwacht: Plötzlich strömen Frauen und Kinder aus allen Ecken und Winkeln, zig Kinderhände recken sich nach den wenigen Bällen – daraufhin wird alles, was griffbereit und nicht in den schweren Materialkisten unter den Softtops der Amaroks vergraben ist, leer geräumt. Es fällt schwer, von den strahlenden Gesichtern Abschied zu nehmen.


Die Landschaft ändert sich, das Thermometer steigt unaufhörlich. Eine feuchte Schwüle liegt in der Luft und hüllt die Kaffeeplantagen in einen diffusen Schleier. Nach den Kaffeeplantagen kommen die Bananenplantagen - schier endlos. Die Bevölkerung ist wieder mehrheitlich spanischen Ursprungs, es gibt größere Ortschaften – was bleibt, ist die auch hier weit verbreitete Armut.

Begegnungen am Rande der Wüste – der Pele von Peru
Noch am selben Nachmittag ist mit Huaguillas der letzte Ort Ekuadors durchfahren und die Grenze nach Peru erreicht. Die Abfertigung geht schnell - wegen des Referendums in Ekuador haben die Zöllner nicht viel zu tun. Während die Expedition Richtung Pazifikküste davonfährt, rollen die Zöllner ihre Fahne ein und machen Feierabend. Kaum ist die Pazifikküste erreicht, wird es schlagartig dunkel. Das weite Meer erscheint als weites schwarzes Nichts, nur die Brandung am Strand verrät schäumend das nagende Werk der Brandung. Der Sternenhimmel des Südens deckt die Wagenburg der World AIDS Awareness Expedition zu und das gleichmäßige Rauschen des Meeres singt jeden Einzelnen in den Schlaf.
Einen weiteren Tag wird es dauern bis am Horizont die Vororte von Lima auftauchen. Einen Tag mit weißem, gelbem, rostbraunem und ockerfarbenem Sand. Es ist ein Tag in der Wüste und das Sandmeer, das nahtlos ins Wassermeer übergeht, wird nur unterbrochen von schwarzen und grauen Steinen. Die wenigen grünen Flecken mit Zuckerrohr wirken wie Fremdkörper in diesem Sandmeer. Doch da gibt es noch eine weitere Abwechslung in der Wüste – eine traurige: zahlreiche Kreuze am Wegesrand künden von den Opfern der Wüste, meist Lkw-Fahrer, die der Übermüdung nicht mehr Herr geworden sind.

Das „Country Club Hotel“ in Lima vertreibt die Wüstengedanken. Als die Expedition dort ankommt, sind sie überwältigt. Die Pressekonferenz ist perfekt vorbereitet und gut besucht. Viele Medienvertreter bleibe im Anschluss auch beim Runden Tisch. Neben den Medienvertretern sind auch Politiker und Fachleute anwesend. Es gibt Vorträge über den Zusammenhang von HIV/AIDS und Armut, über die Stigmatisierung HIV-positiver Menschen durch die Gesellschaft und über das seit fünf Jahren laufende Schulprogramm, welches bereits in der Grundschule mit der Behandlung der HIV/Aids-Problematik beginnt. Vertreter der Organisation Via Libre berichten in ihrem Bericht über die abwertende Behandlung von Homosexuellen durch Institutionen und Gesellschaft, und Jose Fedora, katholischer Priester, vertraut darauf, dass sich die Haltung der Katholischen Kirche gegenüber dem Gebrauch von Kondomen in absehbarer Zeit wandeln wird.


Abschließend aber ergreift Fußball-Legende Teofilo Cubillas das Wort. Der „Pele von Peru“, der in den 70er Jahren die Nationalmannschaft Perus sogar zum sensationellen Gewinn der Südamerika-Meisterschaft führte, ist heute Botschafter der UNICEF und nutzt seine ungebrochene Popularität unter Jugendlichen auch dazu, die HIV/AIDS-Problematik offen anzusprechen: „Nur wer offen über die Dinge spricht, kann Veränderung erreichen.“


Beschwingt durch den großen Erfolg in Lima verschwinden die 5 Expeditionsfahrzeuge wieder in den Staubwolken der Wüste. Nach weiteren 700 Kilometern Wüstensand bricht die Nacht herein und vor dem Team liegt… Wüste. Die Ausläufer der legendären Atacamawüste sind erreicht.
Chile – Spritnöte in der trockensten Wüste der Welt
Weite, menschenleere Ebenen in Grau, Braun oder Rostrot, karstige Felskuppen in Schwarz, jähe Abbrüche und tiefe Einschnitte, ab und an ein Tal, in dem spärlich Grün wächst – so geht das den ganzen Tag.

Dann kommt die Grenze nach Chile in Sicht, die Grenzabfertigung erfolgt in Rekordzeit (knapp unter zwei Stunden!). Die Nacht bricht herein und die Spritanzeigen der Fahrzeuge erreichen den untersten Strich. Tankstellen in der Atacama? Mitten in der Nacht? Rund Mitternacht verlassen die Fahrzeuge die Panamericana, fahren in eine Ortschaft namens Maria Elena – und glauben sich schon erhört: Eine typische Dorf-Tankstelle, zwei Zapfsäulen nur, aber der Tankwart ist noch wach und quatscht mit einem Lastwagenfahrer. Dann die Ernüchterung: Der Dieseltank ist leer, erst morgen früh um 9 Uhr kommt Nachschub. Das ist zu spät! Der Zeitplan bis Buenos Aires ist eng. . . Die letzten Notreserven an Sprit werden eingefüllt und dann taucht sie am nächtlichen Horizont endlich auf – die ersehnte Tankstelle. Die Anspannung beim Team fällt ab und wieder einmal geht es die Anden hinauf – ein letztes Mal. Das Klettern hinauf in die Höhen dauert auch am nächsten Tag an. Je höher die Expedition in weiten Asphaltschwüngen nach oben klettert, umso dünner wird die Luft. Und da bekanntlich ein Verbrennungsmotor zum zündenden Gemisch auch Luft benötigt, verlieren die Turbodiesel umso mehr an Kraft. Die Amoroks schleichen mehrere Stunden in über 4000 Meter Höhe. Am höchsten Punkt der Strecke befindet sich das Team auf 4830 Metern über dem Meer. Die Temperatur sinkt auf minus drei Grad. Rechts und links der Straße überzieht eine pudrige Schneedecke die steinige Landschaft, streckenweise hat sich auf dem Asphalt eine dünne Eisschicht gebildet. Doch nicht nur die Autos ringen nach Atem, auch bei den Menschen macht sich die dünne Luft bemerkbar: Kopfschmerzen, ein wenig Schwindelgefühl, der eine oder andere klagt über leichte Übelkeit.
Um die Mittagszeit ist die Grenze nach Argentinien erreicht und die Landschaft wandelt sich. Hier, auf der Ostseite der Anden, wächst plötzlich wieder dürres Gras und Buschwerk. Und wo etwas wächst, da gibt es immer auch jemanden, der davon nascht: Lamas und Wildesel beäugen misstrauisch die bunte Kolonne.

Zunächst langsam, dann in engen Serpentinen immer schneller windet sich die Expedition hinab. Weite Hochebenen und darin eingelassene Salzseen, enge Schluchten, deren felsige Wände mit Kakteen bestanden sind – eine urwüchsige Landschaft begleiten die einsamen Fahrzeuge nach unten. Die Schluchten weiten sich zu Tälern, Grasstoppeln wachsen zu Wiesen, Buschwerk wird zu Bäumen. Die Hänge aber explodieren geradezu in einem Feuerwerk der Farben: Rostrot, Blutrot, Kupferfarben, Braun, Orange, Gelb, Grün, Türkis, Meeresgrau, Anthrazit – und manchmal finden sich fast alle dieser Farben aderförmig in ein und demselben Fels zu einem gestreiften Wunderwerk der Natur. Es ist, als habe ein Riesenkind seinen Farbenkasten einfach über die Klippen gekippt.



Der erste Kontinent ist geschafft – Hinunter ins Land der Gauchos
Die Täler gehen in die Breite. Viehzucht und Ackerbau, Waldstücke, Flusslandschaften, über 20 Grad Lufttemperatur – das erinnert beinahe an Europa. Fast 16.000 gefahrene Kilometer liegen schon hinter der Expedition, noch 1.000 Kilometer sind es bis Buenos Aires, der letzten Station auf dem amerikanischen Doppelkontinent. 1.000 Kilometer durch flaches Land mit Viehzucht und Ackerbau, so weit der Blick reicht. Santiago de Estero, Rafaela und Rosario wird durchquert auf dem Weg nach Buenos Aires. Da wie immer die Zeit knapp bemessen ist, muss eine Wiese bei Rafaela dafür herhalten, die Fahrzeuge flugbereit zu machen: Gefahrgut aussortieren, Kisten ordnen, Packlisten erstellen.


Buenos Aires – es ist Freitag der 13. Ein Unglückstag? Von wegen! Die Pressekonferenz im vornehmen Restaurant „Clo Clo“ findet vor gut einem halben Hundert einheimischer Medienvertreter statt. Die Verzollung und Übergabe der Fahrzeuge am Flughafen klappt wie am Schnürchen und wenig später setzen die Amaroks an Bord eines Cargo-Fliegers zum Sprung über den Atlantik an, das Team folgt wenig später.

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Aber bis es so weit ist, Richtung Heimatkontinent zu starten, muss noch ein letzter Berg bezwungen werden – der Berg von mehr als 800 Quittungen, die meisten davon für Diesel und Maut. E-Mails und Berichte werden geschrieben, Fotos sortiert, Filmclips geschnitten. Endlich ist Zeit, die Berge an Schmutzwäsche abzutragen. Und es muss leider wieder umgeplant werden, denn die ungewisse Situation im arabischen Raum zwingt dazu. Ägypten wird gestrichen und die deutschen Diplomaten und VW arbeiten hart, um der Expedition den Weg durch Saudi Arabien zu ermöglichen. Syrien ist tabu. Der Umweg über Israel wegen der geschlossenen Grenze nach Libanon nicht möglich. Fähren über das Mittelmeer sind in der kurzen Zeit nicht organisierbar. Bleibt nur noch der Weg durch den Iran, denn wer sollte die Verantwortung übernehmen, durch den Irak zu fahren? Das schöne W auf der Weltkarte verkrakelt endgültig zur Kinderschrift.
04.05.2011 Heinrich Geuther Von Kanada nach Panama - Das wilde Rennen gegen die Zeit durch den Dschungel Mittelamerikas
Plötzlich wird es dunkel in der Mittagshitze des Bergregenwaldes von Costa Rica. Unheimlich dunkel. Blitze zucken durch die Finsternis, die Steilwände, die die schmale Straße einzäunen, verstärken die Donner zu einem infernalischen Getöse. Die Funkverbindung zwischen den Fahrzeugen der WAAE-Kolonne ist kaum mehr zu gebrauchen. Nur wenige Minuten später öffnen sich die Schleusen des Himmels.

Einsam bahnt sich die Expedition den Weg über die zum reißenden Strom gewordene Bergstraße. Die Sicht in diesem Tropengewitter ist so schlecht, dass die Fahrer nur ein eigenartiges Krachen wahrnehmen, das irgendwie anders ist als der sie ständig umfließende Donner. Plötzlich nimmt Sandra, die Fahrerin eines der fünf Amaroks, einen Schatten über sich wahr und reagiert sofort: Vollbremsung, Ausweichmanöver auf der überfluteten Straße – der Wagenrad große Felsbrocken kracht wenige Meter neben ihr auf die Straße, springt gegen die gegenüberliegende Böschung, zerplatzt in zwei Teile und bleibt neben dem Fahrzeug ermattet liegen. Das war knapp! Für Sandra bleibt wenig Zeit, sich zu sammeln, denn die Zeit drängt: es bleiben nur noch 24 Stunden Zeit, um die Fähre nach Cartagena zu erreichen. Nur 24 Stunden für den langen Weg durch Costa Rica zum Hafen Colón in Panama. Der Grenzübergang nach Panama muss bis Mitternacht erreicht werden. Schweren Herzens beschließt das Team, den geplanten Round Table in San José, der Hauptstadt Costa Ricas, platzen zu lassen. Später werden sie erfahren, dass er trotzdem stattgefunden hat – auch ohne sie: das Ziel, über die Problematik AIDS zu diskutieren, ist damit erreicht. Die Fahrzeugkolonne quält sich durch den Berufsverkehr San Josés. Berufsverkehr in San José bedeutet streng genommen Stillstand.

Zentimeter um Zentimeter verliert die Expedition mehr Zeit. Zeit, die sie kaum aufholen kann, da hinter San José die „Todesrampe“ folgt – eine halsbrecherische Serpentinenstraße hinauf in die Kordilleren. Und auf der anderen Seite wieder hinab. Schaut man während der Fahrt die Steilhänge der Serpentinenstraßen hinab, sieht man ganz unten die Überreste unzähliger Lastkraftwagen und PKWs. Die „Todesrampe“ ist in ganz Mittelamerika berüchtigt und gefürchtet. Nebelschwaden wabern über die Straßen und lassen viel Raum für Spekulationen, wann die nächste Kurve beginnt. An Schnellfahren ist nicht zu denken. Kaum liegt die Todesrampe hinter dem Team – die Dämmerung legt sich über Costa Rica – beginnt ein wilder Ritt durch die Nacht zur Grenze. Geschwindigkeitsbeschränkungen werden ignoriert, Polizei ist zum Glück nirgends zu sehen. Um 23:30 Uhr erreicht das Team die Grenze nach Panama. Umsonst – die Grenze ist bereits geschlossen – 30 Minuten zu spät. 30 Minuten könnten nun darüber entscheiden, dass die gesamte Planung für Südamerika platzt – wenn nämlich die Fahrzeuge nicht rechtzeitig in Colón ankommen. Aber all diese trüben Gedanken nützen nichts, die Dachzelte werden aufgebaut und die erschöpften Expeditionsteilnehmer schauen in den Sternenhimmel und ihre Gedanken schweifen zurück. All die Erlebnisse der vergangenen 11 Tage kommen wieder in den Sinn. 11 Tage für den Weg von Vancouver bis ins Niemandsland zwischen Costa Rica und Panama.

Die Fahrt in den Frühling: Kanada - USA
Eigentlich beginnt das mit den Zeitverlusten schon ganz am Anfang. Bei Hagelschauer und kalten 3°C startet die Expedition in Vancouver / Kanada ihren langen Weg um die Welt. Schon früh gegen 9 Uhr kommen sie an der Grenze zu den USA an. Die Kanadier scheinen kein großes Interesse daran zu haben, Pässe zu kontrollieren oder gar Ausfuhrbescheinigungen für die Fahrzeuge in Augenschein zu nehmen. Also rollen sie in der Autoschlange weiter. Plötzlich sind sie in den USA, also eingereist. Das geht so natürlich nicht, so ohne Ausfuhrpapiere und überhaupt. Sie reisen also wieder aus den USA aus und in Kanada ein, um aus Kanada erneut auszureisen, so dass sie dann wieder in die USA einreisen können – alles klar? Liebe Leser in Europa, meckert nie wieder über die EU und Schengen! Interessant auch, dass bei den Amerikanern jeder Zollbeamte erstens Uniform trägt und zweitens eine Knarre – auch wenn er den lieben langen Tag nur Akten stapelt oder Stempel auf Papiere schmatzt. Nun ja, andere Länder, andere Sitten.

4 Stunden hat die ganze Grenzaktion gekostet und deshalb wird Schlafen im Dachzelt für heute gestrichen. Die Route führt auf der Interstate 5 South in Richtung Süden. Zunächst geht es durch heimelig anmutende Wald- und Wiesenlandschaften, vorbei an Seattle und Portland, dann über die Klamath Mountains, Sacramento bleibt links liegen. Und mit jeder Meile fährt dieExpedition dem Frühling entgegen. Die ersten 1500 Kilometer ihres langen Weges hat das Team in einem Non-Stopp-Ritt absolviert.
Der erste Round Table der Expedition im deutschen Generalkonsulat in San Francisco ist ein voller Erfolg. Hochrangige Vertreter der Politik, Wirtschaft, der University of California, von NGO’s diskutieren Fragen der lokalen Aids-Problematik, aber auch die allgemeinen Perspektiven. Unter anderem geht es um die Stigmatisierung HIV-positiver Menschen, die dringend notwendige - in den USA aber alleine schon aufgrund der allgemeinen Tabuisierung von Sexualität sehr schwierige - Jugendaufklärung an den Schulen, sowie die vielschichtigen Verflechtungen zwischen Drogen- respektive Alkohol- und HIV-Problematik. Die Ergebnisse der Gesprächsrunde werden in das nach dem Ende der Expedition erstellten Manifest mit einfließen.
Die Zeit drängt. Mexiko ruft. Als die Kolonne der fünf Amaroks das Gelände verlässt, durchfährt sie ein Spalier hunderter privater Kameramänner und Filmer, die ein Bild der Expedition ergattern möchten. Die Rush Hour San Franciscos ist schrecklich – heute ist zudem der US-Präsident Obama in der Stadt – viele Straßen sind gesperrt.
(Drogen)Kriegsgebiet: Durch Mexiko
So einfach soll das sein? Als die Expedition in den frühen Morgenstunden die amerikanisch-mexikanische Grenze bei Tijuana erreicht, behauptet der US-Grenzer, die ganze Ausstempelei übernähmen die Mexikaner. Die wiederum werfen nur mal einen Blick in die Laderäume und lassen sich eines der Dachzelte vorführen - fertig und tschüß...
Punkt 8 Uhr ist Puebla erreicht. Der hiesige VW-Händler hat für einen großen Bahnhof gesorgt. Zahlreiche Journalisten, Radio- und Fernsehteams begrüßen die Expedition und lassen auch diesen Round Table zum großen Erfolg werden.

Wenn es nach den Menschen Pueblas gegangen wäre, hätte die Feier im Anschluss Tage gedauert. Doch aller Herzlichkeit zum Trotz, die Expedition muss weiter. Rodolfo Calixto Mendoza, der Chef der VW-Niederlassung persönlich, führt die Expedition über Schleichwege zunächst zurück zur Grenze und ist dabei behilflich, die Einreisepapiere in Ordnung zu bringen: Natürlich hatten die Grenzer am frühen Morgen entweder keine Ahnung oder keine Lust gehabt, ihren Job zu erledigen. Das Team hätte aber riskiert, bei einer der zahlreichen Polizei- oder Militärkontrollen im Land wegen der fehlenden Dokumente mächtig Ärger zu bekommen.
Erst gegen Nachmittag ist alles erledigt, und ein Gewaltritt durch die Nacht Richtung Mexcali ist angesagt. Die Expedition muss unbedingt versuchen, bis zum Morgen möglichst nahe an Ciudad Obregon heranzukommen: Die knapp 800 Kilometer lange Strecke von dort nach Mazatlan gilt als extrem unsicher und sollte wegen der drohenden Überfälle nur tagsüber befahren werden.
In Mexiko herrscht seit Jahren ein Drogenkrieg. Große Teile des Landes sind in der Hand von Drogenkartellen. 40.000 Armeeangehörige und 5.000 Polizisten stehen 300.000 Angehörige der mexikanischen Drogenkartelle und ihrer paramilitärischen Einheiten gegenüber. Ein fast hoffnungsloser Kampf, denn die Drogenkartelle kämpfen mit hochmodernen Schusswaffen sowie mit Granatwerfern und Handgranaten.
Aber das Expeditionsteam hat sich Rat bei den Menschen geholt, die richtigen Straßen gewählt und nahezu unbehelligt die Gebiete der Drogenkartelle durchquert. In der Nacht passieren sie das MG-Nest an der schwer bewaffneten Stadtgrenze Tepics, bilden eine Wagenburg und können zumindest einen Teil der Nacht unter dem Schutz der eigenen Nachtwachen die Beine lang machen beim Schlafen.

Am nächsten Morgen arbeitet sich die Kolonne ins Hochland Mexikos empor, die Sonne brennt unbarmherzig auf über 3000 Metern Höhe, und am Abend erreicht die Expedition Mexiko City. Die Umgehungsautobahn ist gesperrt, und das Team muss sich durch den Verkehr des 20-Millionen-Molochs quälen. Außerhalb der Hauptstadt liegt das VW-Werk. Auf dem streng bewachten Werksgelände bildet das Team wieder eine Wagenburg und findet die Gelegenheit für ein paar Stunden Schlaf.
Danach verliert sich die Spur der WAAE-Expedition. Drei Tage warten die verzweifelten Blogger, Mitarbeiter und Angehörigen in Europa vergeblich auf Neuigkeiten. Nichts, absolut nichts.
Überraschungen in Mittelamerika – Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua
Als dann endlich die erste erlösende Nachricht in Europa eintrifft, hat das Team Guatemala, El Salvador, Honduras bereits durchquert und Nicaragua erreicht. Es ist die Osterzeit. Stefan Hippler, der katholische Priester der Expedition und Initiator des Hilfsprojektes Hope Cape Town hat eine provisorische Messe abgehalten.

Leider hat die Expedition weitere Zeit verloren. Einer der Gründe war die Grenze zu Guatemala. Nachdem schon die unzähligen Militärkontrollen in dem mexikanischen Unruhegebiet Chiapas den Plan durcheinander gewirbelt haben, geht an der Grenze gar nichts mehr. An der nächtlichen Grenze prangt in großen Lettern ein "Willkommen in Guatemala" über der Straße. Rechts hängt ein Schild: "Keine Korruption!" Links steht der Zöllner, unbestechlich. Also lässt er einen zivilen Schreiber erklären, dass es zwei Möglichkeiten gibt, ihn zu passieren: Die eine ist die offizielle und bedeutet, dass die Expedition bis 8 Uhr warten muss. Die andere ist nicht ganz so offiziell und bedeutet, dass sie sofort vorbei dürfen - gegen Entrichtung eines saftigen Obulus, versteht sich. Und zwar sowohl jetzt als auch später bei der dann logischerweise ebenso illegalen Ausreise.
Das Team will sauber bleiben. Und so stehen sie mit ihren Autos fein säuberlich aufgereiht im Niemandsland zwischen Mexiko und Guatemala und warten. Der Pressetermin am nächsten Morgen in Guatemala City ist damit geplatzt.
Noch vor 7 Uhr am nächsten Morgen erwacht der Ort Nirgendwo zum Leben. Buden mit Snacks und gesüßtem Kaffee öffnen ihre Pforten, Kleiderläden und Topfgeschäfte preisen ihre Waren an. Die Zollbeamten schlafen länger. Und dann lassen sie sich Zeit. Trotz allem erreicht die Expedition am Abend die Grenze zu El Salvador. Hier erwartet sie bereits der Sicherheitschef der Deutschen Botschaft in San Salvador. Er hat für eine schwer bewaffnete Polizeieskorte gesorgt, denn El Salvador gilt nach Einbruch der Dunkelheit als eines der gefährlichsten Länder der Welt. Gegen 19 Uhr geht es los, der Polizeiwagen brettert mit Blaulicht und Sirene vorneweg, räumt dem Konvoi den Weg durch den Verkehr frei.


Eine Stunde später erreichen sie die Hauptstadt und die bereitet dem Team einen großen Empfang. Trotz der Verspätung harren noch zwei Dutzend Journalisten aus. Viele NGO-Vertreter haben ebenfalls gewartet, darunter natürlich Vertreter der Stiftung Fundacion inocencia, die vom Verein "be your own hero" eine Spende von 17.500 Euro für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erhalten hat. El Salvador hat große Erfolge im Kampf gegen HIV/AIDS erreicht. Die wurden möglich weil sich mehrere Interessenverbände aus den unterschiedlichsten Bereichen sozialer Brennpunkte zu einem Fünfjahresplan zusammengetan haben und die Politik dem Problem HIV/AIDS offen entgegentritt.


Noch vor dem Morgengrauen steht die bewaffnete Leibgarde bereit und begleitet den Konvoi zur honduranischen Grenze. Honduras ist ein Land der Kontraste. Nach der überwältigenden Gastfreundschaft beim Round Table in Tegucigalpa lernt das Team die andere, die berüchtigte Seite Honduras kennen. Im Stundentakt stoppt eine Polizei- oder Militärkontrolle die Fahrzeuge und frischt ihr Gehalt auf. Das schlimmste von allem – die Zeit verrinnt, und die Fähre in Panama wartet nicht. Nicaragua bietet das totale Kontrastprogramm: keine einzige (!) Militär- oder Polizeikontrolle längs des Weges, die Menschen winken der Kolonne freundlich zu. Am Grenzübergang zu Costa Rica ist es schon wieder vorbei mit der guten Stimmung: fast fünf Stunden dauert die Stempelorgie. Und dann beginnt der Horrortrip durch den Bergregenwald.
All das geht den Teammitgliedern in ihren Dachzelten im Niemandsland zwischen Costa Rica und Panama durch den Kopf, bevor sie in einen unruhigen Schlaf versinken. Am nächsten Tag wird die Stunde der Wahrheit kommen, wird sich entscheiden, ob sie die Fähre nach Kolumbien rechtzeitig erreichen.
Das Rennen über den Panamakanal – Panama
Früh am Morgen sind es die WAAE-Fahrzeuge, die als erste abgefertigt werden, und das Rennen gegen die Uhr erreicht seinen Höhepunkt. Tankstopps und Fahrerwechsel werden optimiert, Essenspausen gestrichen, die gegenseitigen Funkwarnungen vor der Polizei funktionieren perfekt. Es sind Tage wie diese, wo sich zeigt, was ein Team wert ist. Am Nachmittag wird der Panamakanal überquert und am Horizont taucht das Hafenterminal von Colón auf. Geschafft!!! Verglichen mit dem, was hinter der Expedition liegt, ist das Chaos, das Gedränge, Gehupe, Geschiebe im Hafen von Colón ein Kinderspiel. Die Autos werden Milimeter genau in Container verladen und gehen allein auf die Reise Richtung Cartagena. Das Team wird wenig später folgen und die nächste Etappe starten – den langen Weg durch Südamerika.

Kaum aber sind die Mitglieder der Expedition etwas zur Ruhe gekommen, haben Berichte, E-Mails und Fotos versendet, kommen die Hiobsbotschaften: Die kolumbianische Polizei informiert, dass die meisten der geplanten Straßen durch einen Jahrhundertregen zerstört sind, hunderte Menschen sind umgekommen und zu allem Übel ist auch noch der Vulkan Tungurahua ausgebrochen ist. Schon wieder muss umgeplant werden...

15.04.2011 Heinrich Geuther Der Countdown läuft! „Move the World“ – aber so war es dann doch nicht gemeint…
Noch wenige Stunden verbleiben bis zum Start einer der spektakulärsten Touren der letzten Jahrzehnte um die Welt. Und genauso Aufsehen erregend wie sie ist, so riesig ist die Aufgabe, die vor den 2 Frauen und 12 Männern liegt:100 Tage für 50 Länder. Nur 100 Tage für mehr als 65.000 Kilometer durch Wüsten, Steppen und Dschungel, durch reiche Länder und durch Gegenden, in denen Menschen leben, deren Not durch die Welt ignoriert wird. Ob arm oder reich, ob Amerika, Europa, Afrika, Asien oder Australien – eines macht sie alle gleich: „Nirgendwo auf der Welt gibt es keine AIDS-Problematik!“ (Joachim Franz). 1,8 Millionen Menschen sind 2009 an AIDS gestorben, 14 Millionen afrikanische Kinder südlich der Sahara zu AIDS-Waisen geworden. 33 Millionen Menschen tragen den HI-Virus in sich. So kann, so darf das nicht weitergehen! Vor nun fast einem Jahr wurde eine Idee geboren – die Idee, ein gigantisches „W“ auf den Erdball zu zeichnen. „W“ wie World.
 Und während sich das „W“ unaufhaltsam vorarbeitet, wird es in den durchquerten Ländern auf 5 Kontinenten „Round Tables“ geben. Vertreter der Politik, der Wirtschaft, der Kultur, Religion und Tradition werden darüber diskutieren, wie dem Problem AIDS entgegengetreten werden kann. Ob in San Francisco, Medellin, Buenos Aires, ob in Paris und Hannover, in Ouagadougou, Kinshasa, Kapstadt, ob in Damaskus, Wladiwostok, Sydney und in all den anderen Zwischenstopps der weltumspannenden Expedition – überall reichen sich die Menschen die Hände, und überlegen zusammen wie diese Geisel der Menschheit überwunden werden kann. Unsere Firma unterstützt diese Aktion, das Ball-Logo wird zusammen mit den 2 Frauen und den 12 Männern das „W“ auf die Erdkugel schreiben.


Ball-Spendendosen werden auf allen 5 Kontinenten allgegenwärtig sein, denn diese Expedition ist nur der Anfang für eine weltumspannende Aktion. Das Ziel ist, mindestens 5 Millionen Euro zu sammeln. Mit diesem Geld werden auf 4 Kontinenten Schulungszentren errichtet, denn internationale Schulungszentren für Menschen die nichtstaatliche Organisationen ins Leben rufen wollen, sind Mangelware. Es werden Schulungszentren sein für die vielen engagierten Menschen, die mit guten Ideen etwas in der Welt bewegen möchten. Diese Schulungszentren sollen die notwendige Professionalität vermitteln, damit all diese guten Ideen nicht an den bürokratischen Hürden der modernen Welt scheitern. Boldung ist immer noch die stärkste Waffe.

Noch wenige Stunden verbleiben bis zum Start dieser extremen Expedition. Die letzten Fahrsicherheitstests mit den VW Amaroks liegen hinter den Teilnehmern.
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Die Ausrüstung ist verpackt - eine logistische Meisterleistung. Unter den speziellen Hardtops über der Ladefläche ist Platz für die gesamte Ausrüstung: Verpflegung, Wasser, Kleidung, Ausrüstung und Ersatzteile. Die Doppelkabine des Amarok ist für die Dauer der Expedition gleichzeitig auch Schlafstätte, Wohn- und Esszimmer für das Team. Die Expedition wird fraglos zur Belastungsprobe für Mensch und Technik.
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Noch wenige Stunden verbleiben bis zum Start dieser extremen Expedition. Zu einem solch späten Zeitpunkt sollte die Planung „stehen“, oder? Der Streckenverlauf ist klar, die Flugzeuge, Schiffe und Fähren sind gebucht, die Termine für die 50 „Round Tables“ sind mit Hilfe der deutschen Botschaften auf die Stunde exakt festgezurrt. Die Städte und über 1000 ehrenamtlichen Helfer auf der ganzen Welt bereiten sich vor auf den Tag X – der Tag, an dem die Fahrzeugkolonne am Horizont auftaucht… Genauso war der Plan. Aber die Welt dreht sich rasant, kommt in atemberaubendem Tempo in Bewegung – „Move the World“ in die überraschende Richtung, anders als gedacht.
Drogenkriege, Guerillakämpfe, Terror, Revolutionen und Atomkatastrophe lassen die mühsamen Vorbereitungen zur Makulatur werden. Es wird umgeplant, die Route wird geändert, neue Visa beantragt, neue „Round Tables“ fixiert. Und ist das passiert, gibt es schon wieder neue Reisewarnungen. Wieder muss umgeplant werden – bis zur letzten Minute – denn eines ist klar: die Expedition hat den Zweck, möglichst viele Leben retten, nicht aber dabei das Leben der Expeditionsteilnehmer aufs Spiel zu setzen.
Für den afrikanischen Kontinent ist man die Horrormeldungen schon gewöhnt, aber wer denkt schon daran, dass bestimmte Gebiete in Mexiko heute zu den gefährlichsten Orten der Welt zählen. Die Drogenbosse liefern sich offene Kämpfe mit der Polizei und dem Militär. Kolumbien war zum Zeitpunkt der Planung ruhig. Inzwischen tobt wieder der Kampf zwischen den FARC-Guerillas und der Staatsmacht. Auch die kolumbianischen Drogenkartelle haben die Front gegen den Staat wieder eröffnet. In Ecuador ist inzwischen eine Volksabstimmung über die Verfassung anberaumt – genau zum Zeitpunkt der Durchfahrt des Expeditionsteams. Unruhen werden erwartet und der geplante „Round Table“ in Quito steht in den Sternen - die Regierung hat ein Versammlungsverbot verhängt. Immerhin haben die Regierungen dieser Länder dem Expeditionsteam militärischen Geleitschutz zugesichert. Die deutschen Botschafter dieser Länder haben im Vorfeld ganze Arbeit geleistet!
Nordafrika ist inzwischen fast unpassierbar geworden. Die Revolutionen in Ägypten und Tunesien, das politische Pulverfass Algerien, der Bürgerkrieg in Libyen sind nur einige Beispiele. Für den Rest der Saharastaaten bestehen drastische Reisewarnungen wegen Al Qaida im Maghreb. Das Entführungsrisiko für Bürger aus westlichen Ländern ist in der Sahara extrem hoch. Im Moment plant das Team einen Umweg über Mauretanien, Mali, Burkina Faso und Nigeria, aber der ist auch nicht gerade der Inbegriff für entspanntes Reisen. Al Qaida und eine Vielzahl von Milizen machen die Route zur extremen Herausforderung. Zwar führt die Expedition eine Lebensversicherung in Form einer kleinen schwarzen Box mit sich, die im Falle eines Unfalls sofort ein Notsignal per Satellit inklusive der GPS-Daten aussendet. Aber selbst der Umgang mit diesem Wunderwerk der Technik muss wohl überlegt werden. Die Position für die normale Tour wird zeitversetzt ausgestrahlt, aus Sicherheitsgründen. Denn immerhin könnten auch die Falschen das Signal abfangen. 10 Wochen werden vergehen bis die Expedition planmäßig im Sudan ankommt. Aber in 10 Wochen wird sich der Sudan zweiteilen. Ein neuer Staat entsteht. Ist er dann auch noch friedlich? Und wie wird es dann in Jordanien und in Syrien aussehen? Ist eine Durchfahrt zu diesem Zeitpunkt noch möglich? Niemand ist heute in der Lage, dies voraus zu sagen. Den Plan für Japan hat die Expedition wegen der Atomkatastrophe schon geändert, denn eine spontane Änderung des Transfers nach Australien ist unmöglich. Das Risiko ist zu groß.
Und so vergehen die letzten Stunden bis zum Start mit dem Schmieden von Plan B, Plan C und dieses Schmieden wird erst unterbrochen wenn das Team am Samstag beim Bundesligaspiel VfL Wolfsburg gegen FC St. Pauli offiziell verabschiedet wird. Die Fahrzeuge stehen dann schon bereit in Vancouver. Im Flieger nach Kanada wird dann wahrscheinlich an Plan D gefeilt – nur für den Fall der Fälle und nur, um das Gesamtziel der Expedition nicht zu gefährden. 100 Tage, in denen die Weltpresse mitfiebern wird, 100 Tage in denen das ungeliebte Thema AIDS nicht ignoriert werden kann, 100 Tage wo Menschen in der ganzen Welt auch auf das Ball-Logo schauen werden, auf das Logo einer Firma, die sich den Kampf für diese gute Sache auf die Fahne geschrieben hat.
Wie wird es weiter gehen? Ein paar persönliche Worte des Ball-Korrespondenten
Ich werde während der ganzen Zeit der Expedition mit den Teilnehmern im Kontakt stehen, bekomme Bilder, Berichte und erfahre die Resonanz der Menschen auf diese Expedition. All das werde ich im Wochenrhythmus weitergeben. Es wird einzelne, wenige Ausnahmen geben, wo ich diesen Wochenrhythmus eventuell nicht einhalten kann. Diese Ausnahmen werde ich ankündigen und dafür sorgen, dass euch, liebe Leserinnen und Leser nichts verloren geht. Wir werden zusammen den gesamten Weg dieser spektakulären Expeditionen verfolgen, mitfiebern, Mut, Hoffnung, Freude und Leid der 14 Botschafter für eine gute Sache teilen und dabei auch beobachten können, wie unsere Firma als Bestandteil der Mission die Welt bewegt. Diese wöchentlichen Berichte sollen keine Einbahnstraße sein. Anregungen, Meinungen und Fragen sind hochwillkommen (Email an: heinrich.geuther@ball.com). Ich werde versuchen, sie zu beantworten. Zum Beispiel: Wer ist eigentlich dieser Joachim Franz, das Herz der World AIDS-Expeditionen? Oder: Was sucht eigentlich ein Priester auf dieser Tour? Ich kann euch einige überraschende Antworten versprechen. Die größte Überraschung aber ist für Ende Juni geplant, die wird aber hier noch nicht verraten*. Der Preis für diese Überraschung wird dann eventuell ein zweiwöchiges Schweigen des Berichterstatters sein.
Also, dran bleiben und vielleicht auch mitmachen. Es ist ganz einfach! Ein Gesicht oder viele Gesichter, zusammen mit einer Weltkugel, einer Weltkarte oder irgendeinem Weltlogo. Fotografieren - per Mail an die Aktionszentrale (botschaft@waae.de) - kurze Botschaft dazu "Warum ist es wichtig, gegen HIV/ Aids zu kämpfen, die Welt zu bewegen?" - Dazu einen Euro spenden oder eine SMS (waae an 81190 – nur im deutschen Mobilfunknetz möglich) absenden. Die Bildbotschaft findet man wenig später unter http://www.waae.de/.
Dein Gesicht - Deine Botschaft - Deine Spende!
Alle Botschaften werden in einem riesigen, goldenen Buch vereint und dieses Buch wird als Botschaft an den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon übergeben.
*kleiner Tipp: die Überraschung wird im „Lande des Mahdi“ stattfinden. Karl May-Fans haben es leichter beim Raten…
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